Zur Erklärung: Triptichen

Zur Erklärung: Triptichen


Unsicher, ob es für diese Strophenform schon einen literaturwissenschaftlichen Fachbegriff gibt, habe ich mir einfach einen eigenen konstruiert. Mit dem Wort "Triptichen" bezeichne ich so ein Reimschema, bei dem erst nach drei - statt wie weit verbreitet nach zwei Zeilen - die mit Reimwörtern versehenen Verse folgen. Bisher findet man eine solche Strophenform manchmal als Reimvariante der sechs Schlussverse von Sonetten - als selbstständige Gedichtform ist mir dieses Schema aber bisher nicht begegnet, was natürlich zuallererst und womöglich auf mein eigenes Unwissen und meine eigene Unbelesenheit zurückverweist. Gern lasse ich mich belehren.
Abgesehen von den größeren Spielräumen, die diese Strophenform bei der Entwicklung des Gedichtthemas bietet (erst drei Zeilen später, muss der Gedankengang auf reimend passende Formulierungen führen), finde ich den implizit argumentierenden Gestus dieser Strophenform sehr anregend und passend zu meinen dichterischen Anliegen und Vorlieben.
Ebenfalls unter den Begriff Triptichen gefasst habe ich im Reimschema leicht abweichende Gedichte: wenn nach mehrenden dreizeiligen Strophen, dann eine abweichend zweizeilig paar-gereimte oder vierzeilig kreuzgereimte Strophe folgt - oder wenn erst nach der vierten - sich nicht reimenden - Zeile, sich reimenden Zeilenenden einsetzen (die Triptiche also zur Quadriche erweitert wurde). 
Das Wort "Triptiche" erscheint mir neben dem zentralen Zahlwort "Tri" vor allem irgendwie witzig ... letztlich vermag ich nicht zu erklären (oder bin unwillens dem nachzuspüren), welche Assoziationen bei der Wortbildung alles eine Rolle gespielt haben; nur ein Hinweis sei eventuell interessierten Interpretatoren gegeben: Eine verworfene Vorversion des Begriffs war "Trichinen".